Dangast - Kunst an der Küste

Kunst in Dangast - Meisterstuhl vom Künstler Butjatha, Helge Stroemer
"Meisterstuhl" vom Künstler Butjatha

Dangast ist ein idyllischer Badeort an der Nordseeküste mit einer eindrucksvollen Kunstgeschichte. In den 70er Jahren mischte Joseph Beuys hier die Kunstszene auf. Und berühmte Maler der Künstlervereinigung „Brücke“ arbeiteten hier. Die Ausstellung „Künstlerort Dangast - 100 Jahre Karl Schmidt-Rottluff und Erich Heckel in Dangast“ zeigt vom 2.9.2007 bis zum 6.1.2008 im Franz-Radziwill-Haus Bilder der Expressionisten. Heute ist der Dangaster Strand ein Freilichtmuseum mit Werken von Bildhauern wie Anatol Herzfeld, Butjatha und Eckart Grenzer.

 

Dangast, Kunst an der Küste –

 

von Helge Stroemer für NDR Info, 1.9.2007 –

 

mit O-Tönen von Konstanze Radziwill, Frank Klimmeck und Karl-August Tapken.

 

Dangast - Expressionisten entdeckten den Fischerort am Jadebusen

Strand von Dangast, NDR-Info-Beitrag von Helge Stroemer
Strand von Dangast

Atmo: Wellen, Möwen – wird leiser, verschwindet

 

Sprecher: 

Rund um den Granit-Phallus des Künstlers Eckhard Grenzer spielen Kinder am Strand, als wäre ein 3 Meter hoher Penis das Normalste auf der Welt. Moderne und provozierende Kunst kennt Dangast. Das hat hier Tradition. Expressionisten wie Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff und Max Pechstein von der Künstlergruppe „Brücke“ entdeckten den Fischerort am Jadebusen. Hundert Jahre ist das her. Konstanze Radziwill organisiert eine Ausstellung über diese Zeit: 

 

O-Ton: 

Die Expressionisten haben ja über lange Zeiträume sich auch in Dangast aufgehalten, besonders in den Sommermonaten. Dangast war zwischen 1907 und 1912 ihr Hauptort. Der Stil, der Kunstgeschichte geschrieben hat, der ist ganz wesentlich auch in Dangast entwickelt worden. Hundert Jahre Brücke-Maler in Dangast, da werden wir im Hause die Arbeiten zeigen, die tatsächlich in Dangast entstanden sind. 

 

Sprecher: 

Die Brücke-Maler liebten die unberührte Natur an der Nordseeküste. Über 300 Kunstwerke sind in Dangast entstanden. 50 werden in der Ausstellung im Herbst im Franz-Radziwill-Haus zu sehen sein. Konstanze Radziwill ist die Tochter des Malers Franz Radziwill. 60 Jahre lang bis zu seinem Tod 1983 lebte und malte er hier. Karl Schmidt-Rottluff, mit dem er befreundet war, hatte ihm den Tipp gegeben. Heute ist Radziwills Wohnhaus mit dem Atelier ein Museum: 

 

O-Ton:

Diese Arbeiten am Ort ihres Entstehens zu zeigen, ist auch ein Vermächtnis meines Vaters. Er wünschte sich immer, weil er durch Schmidt-Rottluff überhaupt nach Dangast gekommen ist, dass die expressionistischen Arbeiten dort ausgestellt würden. 

 

Sprecher: 

Lange Zeit hat der Kurort sein kunsthistorisches Kapital vernachlässigt. Auf dem „Kunstpfad“ können sich Besucher nun auf die Spuren der Maler begeben. Auf 19 Bildtafeln, die über den ganzen Ort verteilt sind, wird das Schaffen der Künstler dokumentiert. Frank Klimmeck ist einer der Initiatoren des Projekts: 

 

O-Ton:

Die Tafeln stehen an der Stelle, wo ursprünglich die Staffelei des Künstlers gestanden hat. Jetzt können die Leute sehen, wie ist das gemalt worden und wie sieht es jetzt aus, wo ist der Unterschied, wie hat sich das verwandelt und warum hat er das so gemalt. Dazu sind Texte jeweils angebracht worden über den Künstler und über das Motiv. 

 

Kunstaktionen mit Joseph Beuys in Dangast

Die Jade, Anatol Herzfeld, Kunst in Dangast, Helge Stroemer
"Die Jade" von Anatol Herzfeld, Dangast

Sprecher: 

Viele Bildtafeln gruppieren sich um das Alte Kurhaus. Der Name hört sich langweiliger an, als das Café und Restaurant ist. Seit Jahrzehnten fördert der Besitzer des Lokals, der 70-Jährige Karl-August Tapken, Kunst und Künstler. So startete der Bildhauer und Maler Anatol Herzfeld, ein Schüler von Joseph Beuys, Anfang der 70er Jahre die ersten Kunstaktionen in Dangast. Beuys war bei einigen dabei. Karl-August Tapken: 

 

Atmo: leises Geschirrgeklapper, Café-Atmosphäre 

O-Ton: 

Mit Vater zusammen, der hat dann auch mal einen Ackerwagen spendiert, zum Verbrennen. Und Beuys der haute mit seinem dicken Hackebeil da zwischen rinn. 

 

Sprecher: 

Die wilden Kunstaktions-Zeiten mit Beuys und Anatol sind vorbei. Die Anziehungskraft als lebendiger Künstlerort hat Dangast jedoch nicht verloren. Malklassen der Kunstakademien zeigen großes Interesse an den Geschichten von Karl-August Tapken: 

 

Atmo: leises Geschirrgeklapper, Café-Atmosphäre 

O-Ton: 

 Und dann haben wir mal zusammen eine Eisscholle angemalt und einen Bilderrahmen hingestellt und einen Baum rot und einen Baum blau. Ich weiß nicht mehr, was das im Einzelnen sein sollte. Mitten im Saal hat er ein Relief aus Blei gegossen, der Schimmelreiter, das hab ich draußen noch am Hause.