Junge Künstler in der Corona-Krise

Wie Künstler die Corona-Krise überstehen

1. Themenangebot - Kunst mit Bakterien

Der Künstler Wolfgang Ganter in seinem Berliner Atelier.
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Exposé:
Kunst mit Bakterien: Warum der Künstler Wolfgang Ganter in der Corona-Krise mehr Bilder verkauft als zuvor.

Eine Multimedia-Reportage von Guido Walter und Helge Stroemer

Seit dem Lockdown im Frühling spürt der aus Stuttgart stammende und in Berlin arbeitende Künstler Wolfgang Rückenwind. Er arbeitet mit Bakterienkulturen, „ impft“ die Fotografien klassische Gemälde mit Bakterien, die sich dann von den Gelatineschichten des fotografischen Films ernähren und unterschiedliche Formen und Muster hervorbringen. „Bei mir lief es sogar noch besser als vor der Krise, weil Viren und Bakterien plötzlich so ein großes Thema waren“, sagt Ganter.
Er hat die Zeit genutzt, um sich noch mehr auf die eigene Arbeit zu konzentrieren. „Auf Vernissagen zu gehen, Leute kennenlernen und Socialising, das ist mir eher lästig“, gibt Ganter zu. Er arbeitet zwar seit 15 Jahren mit Bakterien, und hätte nicht geahnt, dass seine Arbeit einmal so in den Zeitgeist passen würde wie im Moment.

Vielleicht liegt es daran, weil er das Unsichtbare sichtbar macht, die Angreifer aus dem Mikrokosmos, die seit Corona den Menschen soviel Angst machen. Ganter geht das Themen eher humoristisch an, und dieser spielerische Umgang kommt an. „Jetzt schreien alle, wie grausam Bakterien und Viren sind, dabei haben sie die Menschheit seit jeher begleitet, selbst in unserer DNA sind Viren mit eingebunden. Jeder Mensch hat vier Kilo Bakterien jeder Mensch in seinem Darm.“
Für die Zukunft hat er ein ganz bestimmtes Bakterium im Blick. „Das wächst wirklich wie ein Wirbelsturm, sehr spektakulär.“ Für seine Arbeit benutzt er übrigens besonders gern Orwo-Film, der in der DDR der Standardfilm für Fotografien war. „Den habe ich sehr gern, weil da keine antibakteriellen Wirkstoffe drin sind. Man setzt die Bakterien drauf und die fangen sofort an zu futtern.“


2. Themenangebot - Corona-Kunst: Künstler in der Digital-Offensive

Interviews mit den Künstlern: Dennis Rudolph, Yvon Chabrowski, Anna Nezhnaya und Andy Kassier.

Exposé:

Das Internet trägt in der Corona-Pandemie zur Demokratisierung des Kunstmarkts bei. Ausstellungen finden online statt, Kooperationen werden über soziale Medien geschlossen. Künstler, die in den großen Galerien nicht vorkommen, schaffen sich neue Zugänge.

Eine Multimedia-Reportage von Guido Walter und Helge Stroemer


Die Coronoa-Pandemie hat die digitale Transformation des Kunstmarkts vorangetrieben. Lange geplante Ausstellungen wurden gecancelt, Stipendien gekürzt, Vernissagen abgesagt. Gerade junge oder weniger bekannte Künstler, die ständig auf der Suche nach Künstlerstipendien und erschwinglichen Ateliers sind, traf die Krise auf den ersten Blick hart: Die Konzept-Künstlerin Yvon Chabrowski etwa musste die Italienreise, die Teil ihres Stipendiums der Deutschen Akademie Rom /Villa Massimo war, absagen. „Die Pandemie hat genau dann eingesetzt, als ich losfahren wollte“, sagt Chabrowski. „Das hat meine ganzen Pläne umgeschmissen.“
Doch in der Not haben viele Künstler an neuen Formen gearbeitet, um auf sich und ihre Arbeit aufmerksam zu machen – über das Internet. Wie Yvon Chabrowski, die seit Jahren mit digitalen Medien arbeitet, oder die in Berlin lebende Malerin Anna Nezhnaya, die soziale Medien wie Instagram nutzt, um ihre Followerbasis auszubauen und um Kooperationen mit anderen Künstlern für gemeinsame Online-Austellungen voranzutreiben.

Im Vorteil sind Künstler, deren Arbeiten einen Bezug zur Pandemie haben. So stellen auch die Anzüge von Andy Kassier in den Hanz Studios am Straußberger Platz in Berlin einen ironischen Kommentar zu Corona und Home Office dar. „Es sind Anzüge, aber ohne Hosen“, sagt Andy Kassier. „Denn die braucht man während eines Videos-Calls bei Zoom nicht.“ Der 31-jährige Konzeptkünstler und Fotograf hat die Corona-Monate dazu genutzt, einen fiktiven Charakter zu erschaffen. Einen Erfolgstypen im weißen Dress, der einen Burnout bekommt und dann beginnt, Palmen zu malen. Auf dem Kopf. Weil auch die Welt seit Corona auf dem Kopf steht.

Rückenwind spürt auch der aus Stuttgart stammende Künstler Wolfgang Ganter. Er arbeitet mit Bakterienkulturen, „ impft“  Fotografien klassischer Gemälde mit Bakterien, die sich dann von den Gelatineschichten des fotografischen Films ernähren und unterschiedliche Formen und Muster hervorbringen. „Bei mir lief es sogar noch besser, weil Viren und Bakterien so ein großes Thema waren“, sagt Ganter.

Der Berliner Künstler Dennis Rudolph ist überzeugt, dass die Digitalisierung durch die Pandemie einen Schub bekommen hat und auch die Arbeit der Künstler beeinflusst. Rudolph, der in einer virtuellen Umgebung mit einer VR-Brille auf dem Kopf malt, druckt er als Objekte mit dem 3D-Drucker aus, er hat während des Lockdowns viel Zeit vor dem Fernseher verbracht – die Bilder aus den Medien haben seine Arbeit politischer gemacht, wie Rudolph sagt. „Was sich vor der Krise angedeutet hat, ist auf einmal wie in einem Relief verstärkt hervortreten, wie die Auflösung der EU oder das Wiedereinführen der Grenzkontrollen.“

Der in der Ukraine geborene, deutsch-stämmige Künstler Minor Alexander dagegen hat während der Pandemie zurück zur Natur gefunden. „Ich war sehr häufig im Wald spazieren und habe eine große Stille vorgefunden", sagt Minor Alexander. „Sogar die Tiere waren ruhiger als sonst.“